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Absolventen im Interview

Interview mit Dr. Markus Gretz

Herr Dr. Gretz, haben Sie Bauchemie direkt studiert oder im Rahmen eines allgemeineren Studienfaches kennen gelernt?

Ich habe Diplom-Chemie studiert und im Rahmen des Hauptstudiums vertiefend in Materialwissenschaften und Bauchemie gearbeitet. Während eines mehrmonatigen Praktikums bei einem großen Hersteller von Bauchemie in Skandinavien fiel dann meine Entscheidung, mich in diesem Bereich zu spezialisieren. Den Entschluss Chemie zu studieren habe ich allerdings schon während meiner Schulzeit gefasst, denn der Chemieunterricht hat mir große Freude bereitet und ich spürte sehr schnell, dass mich dieses Themenfeld extrem interessiert.


Wie konkret waren Ihre Vorstellungen, ihre berufliche Tätigkeit betreffend, als Sie sich für dieses Studium entschieden?

Eine Position in der freien Wirtschaft, möglichst an einer Schnittstelle zu anwendungstechnischen Fragestellungen, zu erreichen, war von Beginn an eines meiner gesteckten Ziele. Informationsveranstaltungen und Exkursionen zu Unternehmen und Universitäten während meiner Schulzeit haben dieses Ziel reifen lassen und mich in meiner Entscheidungsfindung unterstützt.


Welche Informationswege würden Sie künftigen Studenten empfehlen?

Der Austausch mit Absolventen ist aus meiner Sicht sehr empfehlenswert. Dieser lässt sich im Rahmen von Praktika in Unternehmen und Forschungseinrichtungen sowie bei Informationsveranstaltungen wie Berufsberatungen, Exkursionen, Tagen der offenen Türe etc. herstellen. Auch die neuen sozialen Medien bieten gute Möglichkeiten. Um das potentielle spätere Tätigkeitsfeld kennenzulernen erhält man die besten Erfahrungen im berufsbezogenen Praktikum.


Wie lange liegt Ihr Studium zurück Herr Dr. Gretz und wo haben Sie studiert?

Meinen Abschluss als Diplom-Chemiker habe ich im Jahr 2006 abgelegt. Meine Promotion habe ich dann 2010 an der TU München abgeschlossen.


Entsprach Ihr Studium inhaltlich den Vorstellungen, die Sie sich vorher gemacht hatten?

Chemie ist für mich die vielfältigste Wissenschaft, die auch im Alltag gegenwärtig ist und unsere moderne Lebensweise z.B. in der Baubranche prägt. Das Chemiestudium hat sich als äußerst vielseitiges Studium erwiesen. Es besteht die Möglichkeit sich in eine Vielzahl von Spezialdisziplinen zu vertiefen. Je nach Neigung, stehen von der Grundlagenwissenschaft bis hin zu sehr praxis- und anwendungsorientierten Wissenschaften viele Wege offen. Während meines Studiums ergaben sich zahlreiche neue Perspektiven für mich, die mein Berufsbild des Chemikers erweiterten.


Wie haben Sie die Stellensuche erlebt?

Ich habe bereits während der Zeit meiner Promotion Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern geknüpft. Dies erwies sich als sehr hilfreich als es dann darum ging eine feste Anstellung zu finden. Denn die weltweite Finanzkrise prägte diese Zeit und hatte wirtschaftliche Auswirkungen.


Gab es im Studium schon Berührungspunkte zu Ihrer jetzigen Arbeit Herr Dr. Gretz?

Ich profitiere in meiner heutigen Tätigkeit als Entwicklungsleiter für Trockenmörtelprodukte bei der Uzin Utz AG auch von Erfahrungen, die ich während meines Studiums machen durfte. Während meines mehrmonatigen Praktikums in Skandinavien erhielt ich in der Entwicklungsabteilung Einblick in die Produktentwicklung von bauchemischen Trockenmörtelprodukten, und zwar von der Kundenanforderung bis zur Produktion. In meiner Diplomarbeit und Promotion ging es um Fragestellungen aus der bauchemischen Entwicklung, nämlich um Wechselwirkungen unterschiedlicher Formulierungsbestandteile mit zementären Bindemitteln. Sie sehen, meine jetzige Tätigkeit und die Erfahrungen aus Studium und meiner Promotion stehen in engem Bezug zueinander.


Wem würden Sie "Bauchemie" als Studienschwerpunkt empfehlen?

Bei der Bauchemie handelt es sich um eine junge, sehr praxisnahe, anwendungstechnisch geprägte Wissenschaft, die viele Betätigungsfelder eröffnet. Wer Interesse an diesem Aspekt – abseits der klassischen Chemie – hat, ist mit einem Studium, einer Vertiefung in Bauchemie sicher richtig.


Wie beurteilen Sie die beruflichen Chancen für Absolventen dieses Fachs in der heutigen wirtschaftlichen Situation?

Absolventen mit Vertiefung Bauchemie haben nach meiner Einschätzung eine gute Perspektive. Zum einen erweist sich die Baukonjunktur als robust, zum anderen ergeben sich laufend neue Aufgabenfelder und es werden neue Entwicklungen notwendig, um den steigenden technischen, regulatorischen oder umwelttechnischen Aspekten gerecht zu werden und die Effizienz am Bau zu erhöhen.


Ein Tipp aus Ihrer Erfahrung, den Sie gern weitergeben möchten Herr Dr. Gretz?

Ein frühzeitiger Kontakt zu Absolventen und Praktika in der Bauchemie ermöglichen den Abgleich des Aufgabengebietes und der Entwicklungsmöglichkeiten mit den eigenen Interessen und Präferenzen.


Wie sieht Ihr Berufsalltag heute aus?

Ich führe ein Team mit derzeit acht Mitarbeitern und bin mit diesem Team für die Entwicklung des gesamten Produktportfolios an Trockenmörtelprodukten eines weltweit agierenden Unternehmens in Ulm verantwortlich. Außerdem unterstützen wir unsere Kollegen an den internationalen Produktionsstandorten bei entwicklungstechnischen Fragen. Mit unserer Arbeit bilden wir eine Schnittstelle für die bereichsübergreifende Zusammenarbeit im Unternehmen, also z.B. zu Anwendungstechnik, Einkauf, Produktion, Produktmanagement und Vertrieb sowie zu den Kunden des Unternehmens. Das macht meine Arbeit sehr abwechslungsreich. Als junge Führungskraft profitiere ich von der gelebten Wertschätzung in diesem Unternehmen, das auch jungen Mitarbeitern Verantwortung überträgt und deren Weiterentwicklung fördert.


Das Interview wurde im Februar 2016 geführt.

Dr. Markus Gretz
Leiter F&E Trockenmörtel

Uzin Utz AG, Ulm

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